WÜRDEVOLLES LEBEN und sterben NACH EINER KREBSDIAGNOSE ihres hundes

9



Einführung: Die letzte Lebensphase Ihres Hundes

9.1

Leider kommt unweigerlich die schmerzliche Zeit, in der wir Hundehalter mit dem Abschied von unserem geliebten Tier konfrontiert sind: Die Krebsbehandlungen müssen abgebrochen oder können nicht begonnen werden, weil der Krebs bereits zu weit fortgeschritten ist. Der bevorstehende oder plötzliche Tod eines geliebten Haustieres ist immer sehr emotional und erschütternd. Die Entscheidungen, die Sie in dieser letzten Lebensphase treffen müssen, können die Grenzen der Belastbarkeit übersteigen. Falls immer möglich, sollten Sie schon vorher – wenn der Hund noch gesund ist - über diesen Moment nachdenken und mit anderen Familienmitgliedern darüber diskutieren. Aber dies ist leichter gesagt als getan. Deshalb nehmen Sie sich jetzt Zeit, um mit Ihrem Tierarzt über verschiedene Möglichkeiten nachzudenken, wie Sie Ihren Hund während der Sterbephase begleiten und unterstützen können, damit er in Würde und in Frieden die letzte Reise antreten kann.

In der Tat ist unsere Beziehung mit unseren Haustieren sehr speziell. Wir nehmen unsere Hunde bei uns auf in der Hoffnung auf lebenslange Kameradschaft und Liebe. Wir übernehmen Verantwortung für ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen. Wir denken selten daran, dass wir eines Tages mit lebensbedrohlichen Krankheiten oder gar Tod konfrontiert werden könnten. Auch wenn Krankheit und Tod Teil des natürlichen Lebenszyklus sind, wollen wir nicht darüber nachdenken.

Leider – egal wie engagiert wir sind, unserem Hund die allerbeste Gesundheitsversorgung zu bieten – können wir schwere Krankheiten und den Tod nicht vermeiden.

Es ist sicherlich der schwierigste Moment im gemeinsamen Leben mit unserem Liebling. Aber wenn wir versuchen könnten, die Sterbebegleitung unseres Hundes als wunderbare Möglichkeit zu sehen, unsere Bindung noch weiter zu stärken, wenn wir nun mit unserer liebevollen Teilnahme unserem Hund für die wundervolle Zeit danken könnten, die wir zusammen zu verbringen durften, dann können wir beide – Besitzer und Hund – emotional an dieser Erfahrung wachsen.

So erlebte ich die herzzerreißenden Momente der Krankheit und des Abschiednehmens von der größten Liebe meines Lebens, meiner Alice. Die letzten paar Wochen unseres gemeinsamen Lebens – während der Krankheit und des Sterbeprozesses – haben unsere Beziehung unvergesslich, einzigartig und bereichernd gemacht.

Ziel dieses Kapitels ist es, allen Hundebesitzern, die ihren Hund während den letzten Momenten seines Lebens begleiten dürfen, mit Informationen und persönlichen Erfahrungen zu unterstützen, sich auf diese unausweichliche Lebensphase vorzubereiten und besser zu durchstehen. Um Simone de Beauvoir zu zitieren: Wir hoffen, Ihnen mit diesen Gedanken zu helfen, Ihrem Liebling "Une mort très douce" zu schenken.

Entscheidungshilfen während der Sterbebegleitung Ihres Hundes

9.2

Wenn Sie sich entschieden haben, Ihren todkranken Hund während der letzten Phase seines Lebens bis zum Tod zu begleiten, könnten folgende Fragen auftauchen, die Sie sich ganz nüchtern und ruhig stellen und beantworten sollten, bevor Sie sich blind in Entscheidungen stürzen:

  1. Wie sieht meine finanzielle Lage aus? Was kostet die Pflege bei einer Sterbebegleitung? Wieviel kann ich ausgeben? Kenne ich Menschen, die mir finanziell helfen könnten? Kann ich mit der Tierklinik finanzielle Absprachen vereinbaren? Habe ich eine Tier-Versicherung, und falls ja, welche Kosten übernimmt diese?

  2. Wieviel Zeit kann ich täglich für die Pflege aufwenden? Falls eine umfassende Pflege notwendig würde, habe ich die nötigen zeitlichen Ressourcen? Oder würde es meine alltäglichen Familien- und Arbeitsverpflichtungen ernsthaft stören? Kenne ich Menschen, die mir zeitlich unter die Arme greifen könnten, wenn ich nicht zu Hause sein kann, oder die mir bei anderen Alltagsaufgaben helfen können? Würde mein Arbeitsgeber mich von der Arbeit freistellen?

  3. Wie sieht meine familiäre Situation aus? Welche Familienmitglieder (Kinder, Ehemann…) und wieviel andere Hunde wären von einer intensiven Pflege zu Hause betroffen? Wann sollte ich mit den anderen Familienmitgliedern über die Situation sprechen und sie ihre Meinung äußern lassen? Wie kann ich meinen erkrankten Hund vor anderen Haustieren schützen, um ihm Ruhe zu gönnen?

  4. Wie sieht meine häusliche Situation aus? Ist mein Zuhause für die Pflege eines todkranken Hundes geeignet, sicher genug? Sind im Haus z.B. Treppen, die ich sichern müsste? Ist der Bodenbelag rutschig? Wo kann ich meinen Hund versäubern, wenn er nicht mehr laufen kann?

  5. Woher weiß ich, wann es Zeit ist, sich endgültig zu verabschieden? Kann mein Haustier einfach auf natürliche Weise sterben oder ist eine Euthanasie angezeigt? Falls ja, wann?

  6. Was ist Lebensqualität für einen Hund? Im Kapitel 9.3.6. weiter unten finden Sie eine Lebensqualitätsskala, die ein hilfreicher Indikator dafür sein kann, wann eine palliative Pflege zu Hause beginnen oder enden sollte.

  7. Was ist palliative Pflege / Hospizpflege? Ist palliative/Hospiz-Betreuung bei mir zu Hause möglich? Verfüge ich über einen lokalen Tierarzt, dessen Fachwissen fortschrittliche Techniken der Schmerztherapie, alternative Behandlungen wie Akupunktur, TTouche-Therapie, Bachblüten-Therapie, Sauerstoffgabe und Hydratation umfasst?

  8. An wen wende ich mich, wenn nur noch Euthanasie einen würdevollen Abschied erlaubt? Habe ich einen lokalen Tierarzt, der 24 Stunden am Tag für die Euthanasie im Notfall zur Verfügung steht, wenn das Leben meines Haustieres außer Kontrolle gerät, wie zum Beispiel der plötzliche Beginn von Atemnot? Habe ich einen Tierarzt, der auch zu mir nach Hause kommt, falls ich dies wünsche? Finden Sie all dies VORHER heraus, und notieren Sie Telefonnummern in Reichweite, denn wenn die Situation akut ist, steht Ihnen der Kopf nicht danach, Recherchen anzustellen.

  9. Was mache ich mit dem Leichnam meines Hundes, wenn er zu Hause verstorben ist?

  10. Wer oder was hilft MIR in meinem Kummer? Wie können ich, meine Familie und andere Hunde mit dem Kummer umgehen? Ein guter Familientierarzt, der Ihren Hund schon seit längerer Zeit kennt, kann Sie am besten in diesen schwierigen Zeiten beraten und unterstützen. Sollten Sie jedoch keine solide, vertrauensvolle Beziehung mit Ihrem Tierarzt haben, sollten Sie vielleicht versuchen, einen anderen Tierarzt zu finden, bei dem Sie sich besser aufgehoben fühlen. Es ist ganz besonders JETZT – mehr als je zuvor – von höchster Bedeutung, dass Sie jemanden brauchen, dem Sie vertrauen und Ihr Herz ausschütten können.

Quelle und weiterführende Literatur
→ apahvet.com
→ http://kerstin-piribauer.at/über-mich/gesundheit-für-vier-pfoten/



Wie Sie Ihrem Hund während der Sterbegleitung helfen können

9.3

Was ist Sterbebegleitung?

9.3.1

Sterbebegleitung ist, wenn Ihr Hund an einer tödlichen Krankheit im Endstadium leidet und eine Heilung nicht möglich ist. Es umfasst die Pflege Ihres Hundes während dem letzten Lebensabschnitt seines Lebens. Die Art dieser Pflege und Versorgung kann je nach Bedürfnissen des Patienten und/oder des Betreuers, sehr unterschiedlich aussehen. Wir werden im Folgenden einige Optionen aufzeigen. Die Pflege während der letzten Lebensphase kann komplex sein und umfasst neben der medizinischen Versorgung mit Medikamenten und einer angepassten Ernährung auch den sozialen Faktor (Aufrechterhaltung der Interaktion mit der Familie und anderen Haustieren) und den emotionalen Faktor (Aufrechterhaltung der Würde und liebevolle Zuneigung). Darüber hinaus braucht ein Lebewesen in der letzten Phase des Lebens Ruhe: Das heisst, dass möglichst alle Stressfaktoren reduziert werden sollten. Die folgende aus dem Englischen übersetzte Tabelle der AAHA (American Animal Hospital Association USA) zeigt Ihnen, was die Pflege Ihres Hundes während der Sterbebegleitung beinhalten sollte (die physische, soziale und emotionale Unterstützung Ihres Hundes). Die Aufstellung kann Ihnen sowohl bei der Entscheidungsfindung als auch bei der praktischen Pflege als eine Art Check-Liste behilflich sein:

 

Zielsetzungen und Maßnahmen bei der Sterbebegleitung eines Hundes:

Körperliche Pflege

Zielsetzung

Maßnahmen

Schmerztherapie

Antizipieren, kontrollieren, überwachen und verhindern Sie akute und chronische Schmerzen und lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt Medikamente zur Schmerzlinderung bereitstellen.  

  • Pharmakologische Versorgung
  • Umweltveränderungen: Ruhe, weiches Bett…
  • Ernährungsumstellung: leicht verdaulich…
  • Sanfte Entspannungstechniken (Akupunktur, TTouch, Bachblüten...)

Versorgung bei klinischen Anzeichen

Untersuchen Sie regelmäßig Ihren Hund, um allfällige geistige Dysfunktionen, Angstzustände, Hautveränderungen (z. B. lokale Infektionen, Druckgeschwüre), Zahngesundheit oder Atemwegssymptome mit Ihrem Tierarzt besprechen zu können, zu diagnostizieren und zu behandeln

Hygiene

Aufrechterhaltung der Hygiene: Säubern Sie regelmäßig den Schlafplatz von Urin und Fäkalien, erleichtern Sie den Zugang zu Versäuberungsstellen oder besorgen Sie Hunde-Windeln. Versorgen Sie regelmäßig sekretierende, nicht heilende Wunden.

Ernährung

Durchführen einer Diät- und Körperzustandsbeurteilung: Überwachen Sie die Essgewohnheiten und beachten Sie einen eventuellen Appetitschwund. Sorgen Sie für eine ausgewogene und ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, wobei zu beachten ist, dass eine verminderte Nahrungs- und Wasseraufnahme beim Sterbeprozess normal sind.

Mobilität

Bereitstellung von rutschfesten Fußböden im Wohnbereich des Haustieres, Sicherung von Treppen. Besorgen von Körperhilfsgeräte (Gurte, Schlingen, Karren und Rollstühle). Durchführen von sanften Bewegungsübungen und Massagen bei bewegungsunfähigen Hunden, um den Blutkreislauf zu aktivieren.

Sicherheit

Minimisieren Sie Unfallrisiken (z. B. Zugang zu Schwimmbädern verhindern), schützen Sie sich vor anderen aggressiv reagierenden Haustieren, vermeiden Sie Selbstverletzungen bei der Manipulation Ihres Hundes.

Umweltbedürfnisse

Sorgen Sie für eine komfortable weiche Bettunterlage, Temperatur- und Ventilationskontrolle, ausreichend Platz und ruhige Umgebung


Soziales Wohlergehen

Zielsetzung

Maßnahmen

Interaktion mit der Familie

Involvieren Sie Ihren Hund in Familienaktivitäten, soweit sein Zustand dies erlaubt, und halten Sie die Interaktion zwischen sich und Ihrem Hund aufrecht.

Isolationsvermeidung

Vermeiden oder minimieren Sie längere Zeiträume der Isolation oder Nicht-Sozialisierung.

Interaktion mit anderen Haustieren

Pflegen Sie eine angemessene Interaktion mit anderen Haustieren, aber überwachen Sie aggressive Sozialverhalten anderer Rudel-Mitglieder.

Mentale Stimulation

Bieten Sie regelmäßige Spielmöglichkeiten und Umweltstimulationen, soweit dies der Zustand des Tieres erlaubt.


Das emotionale Wohlergehen

Zielsetzung

Maßnahmen

Bewahrung der Würde

Minimieren Sie Verunreinigung des Hundebetts bei Inkontinenz. Pflegen Sie gute Hygiene des Hundes.

Stressreduzierung

Minimieren Sie Belastungen durch Stress und Veränderungen der Gewohnheiten und der Alltagsroutine. Beurteilen Sie die Bereitschaft des Tieres, notwendige Behandlungen zu erhalten (z.B. Tabletten schlucken) und passen Sie die Behandlungen eventuell an.

Haustierrolle behalten

Erhalten Sie und andere Familienmitglieder die kameradschaftliche Bindung mit Ihrem Hund aufrecht.

Unterhalten des Lebenswillens

Achten Sie auf Anzeichen von Isolation, Depression oder Resignation

Option 1: Was ist Hospizpflege oder Palliativpflege

9.3.2

Unser aller innigster Wunsch ist es, unserem Liebling eine würdevolle und friedvolle, schmerz- und leidenslose letzte Reise zum Regenbogen zu erlauben, ihn dabei liebevoll zu begleiten und zu unterstützen, soweit dies in unserer Macht steht. Oft sieht jedoch die Realität anders aus: Die letzten Erinnerungen eines Hundes sind oft eine ungemütliche Auto-Transportbox und eine vielleicht schmerzvolle und beängstigende Reise zum Tierarzt - zur Euthanasie. Oft sind die letzten Gefühle eines Hundes nur von Unbehagen, Schmerz und Angst dominiert, und der letzte Anblick ist der nicht in allen Fällen geliebte Tierarzt im weißen Kittel. Der Hund mag gar verstört sein, weil seine Familienmitglieder – Sie – weinen, verzweifelt und verkrampft wirken. Die Realität ist oft sehr weit entfernt von unserem innigsten Wunsch! Oft bleibt im letzten Moment nicht mehr viel von den liebevollen Erinnerungen an eine innige und zärtliche Bindung übrig. Es bleiben vielmehr Angst, Trauer, Verzweiflung, Schuldgefühle und Reue. Wäre die palliative Pflege eine Option für Sie und Ihren Hund? Ihr Hund fühlt sich in seiner vertrauten Umgebung wohler, geborgener, geliebter, aufgehobener, angstfreier.

Palliativpflege versus Hospizpflege?

Beides sind Pflegeprogramme, die die physischen, emotionalen und sozialen Bedürfnisse des Tieres in den fortgeschrittenen Stadien einer progressiven, lebenseinschränkenden Krankheit oder Behinderung berücksichtigen. Ziel ist, bis zum Schluss die Würde des Patienten zu bewahren. Was ist der Unterschied zwischen Palliativ-Pflege oder Hospiz-Pflege? Die beiden Begriffe werden oft als Synonyme gebraucht. Obwohl ähnlich, gibt es einen kleinen Unterschied:

  • Palliative Pflege kann ergänzend zu therapeutischen Behandlungen oder allein verschrieben werden. Palliative Pflege bedeutet nicht notwendigerweise, dass der Patient am Ende des Lebens angekommen ist. Tatsächlich können viele Tiere, die palliativ behandelt werden, noch viele Jahre leben, obwohl ihre Erkrankung nicht geheilt werden kann. Dank palliativer Pflege können die Symptome reduziert werden und die Lebensqualität erhalten bleiben.

  • Hospizpflege ist eine Sterbebegleitung im Endstadium. Die Hospiz-Pflege beruht auf dem Prinzip, dass der Tod ein Teil des Lebens ist und würdig sein kann / muss. Das Ziel der Hospizpflege ist nicht, die Krankheit Ihres Haustieres zu heilen oder sein Leben zu verlängern, sondern einen friedlichen und natürlichen Sterbeprozess zu gewährleisten. Die tierärztlich begleitete Hospizpflege wird vom Zeitpunkt der Enddiagnose bis zum Tod des Tieres im vertrauten und sicheren Heim des Patienten erbracht, einschließlich des Todes durch Sterbehilfe (Euthanasie) oder den tierärztlich unterstützten natürlichen Tod. (siehe Kapitel 9.3.4. und 9.3.5.)

Hospizpflege befasst sich auch mit den emotionalen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen der menschlichen Betreuer in Vorbereitung auf den Tod des Tieres und die Trauer-Bewältigung. Hospiz-Pflege sollte in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären tierärztlichen Team besprochen und geplant werden. Während dieser letzten Lebensphase Ihres Hundes wird sein Zustand regelmäßig überwacht, um seine Lebensqualität stets sicherzustellen (Was ist Lebensqualität? Siehe Kapitel 9.3.6.). Schmerzlinderung und andere palliative Maßnahmen werden, wenn nötig, intensiviert, um zu garantieren, dass es Ihrem Hund so gut geht, wie irgend möglich. Wenn der Schmerz oder die Angstzustände unkontrollierbar werden, ist es an der Zeit, das Sterben zu initiieren (natürlicher Tod oder Euthanasie). Dieser für den Hundebetreuer schmerzliche Moment sollte schon vor Beginn der Palliativ-Pflege mit dem Tierarzt diskutiert werden.

Was sind die Ziele der Hospiz-/Palliativpflege?

Ziel ist , die letzten Tage oder Wochen eines Hundes so angenehm und friedvoll wie möglich zu gestalten, indem Schmerzmittel, Ernährungsumstellungen und menschliche Interaktion richtig eingesetzt werden:

  • Schmerzüberwachung
  • Beurteilung des Appetits und eventuelle Ernährungsanpassungen
  • Verbesserung der Mobilität
  • Verbesserung der Lebensqualität durch ergänzende Therapien wie Massagen, Akupunktur, ätherische Öle, Vollnahrung, Nahrungsergänzungsmittel
  • Anpassung der Medikamente
  • Vermeidung von emotionalen Leiden durch geistige Anregungen und soziale Interaktionen
  • Bereitstellung von begleitetem natürlichen Tod oder würdevolle Euthanasie.

Sowohl die Hospiz- als auch die Palliativpflege soll nicht nur den physischen Schmerz Ihres Haustieres lindern, sondern ihm auch helfen, sich bis zu seinem letzten Augenblick geborgen und aufgehoben zu fühlen, ohne Angst.

Welche Rolle spielt der Betreuer in der Hospiz- oder Palliativpflege?

1. Sie werden zum Pfleger Ihres Hundes
Hospiz- oder Palliativpflege erfordert vom Hundebetreuer ein aktives Engagement. Sie werden eng mit ihrem Tierärzte-Team zusammenarbeiten, um die Lebensqualität ihres Haustieres sicherzustellen. Ihr Hund wird Ihre ständige Aufsicht benötigen - von der täglichen Beurteilung seines Zustands und seiner Lebensqualität, oder, falls erforderlich, der endgültigen Entscheidung, sich verabschieden zu müssen. Sie sind die wichtigste Kranken-Pflegekraft Ihres Hundes sowie das Bindeglied zwischen dem Patienten und dem Tierarzt. Hundebesitzer, die sich für Hospiz- oder Palliativpflege entscheiden, werden vom Tierarzt darin geschult, Schmerzmittel zu verabreichen, Verbände zu wechseln, die Hygiene des Hundes zu wahren und andere allgemeine Pflegeaufgaben zu übernehmen.

2. Sie müssen die Schmerzensgrenze Ihres Haustiers einschätzen
Da die Schmerztherapie eine wichtige Rolle in der Palliativ- und Hospizpflege spielt, wird der Tierarzt Ihnen Techniken vermitteln, wie Sie Schmerzen bei Ihrem Hund erkennen und evaluieren können. Es ist wichtig, dass Sie die Schmerzen Ihres Haustieres objektiv überwachen, damit seine Lebensqualität erhalten bleibt.

3. Sie müssen die Lebensqualität Ihres Haustiers überwachen und garantieren.
Die Lebensqualität Ihres Hundes muss während des Palliativ- und Hospizpflege sorgfältig überwacht werden. Sie sollten einen Bereich in Ihrem Haus bereitstellen, der Folgendes enthält:

  • Komfortable Schlafstelle
  • leichter Zugang zu Futter und Wasser
  • angenehme Raumtemperatur
  • sanfte, beruhigende Musik
  • rutschfester Bodenbelag
  • Ruhe von anderen Haustieren und Kindern

Im Kapitel 9.3.6. stellen wir Ihnen eine Lebensqualitätsskala zur Überwachung der Lebensqualität Ihres Haustieres vor. Wenn die Lebensqualität Ihres Hundes abnimmt, kann der Arzt die palliativen Therapien intensivieren (Medikamente, alternative Therapien…). Wenn die palliativen Therapien nicht mehr ihre Wirkung zeigen und die Lebensqualität Ihres Hundes nicht mehr gesichert ist, muss möglicherweise der Lebensende-Plan eingeleitet werden: begleiteter natürlicher Tod oder Euthanasie.

4. Sie werden in enger Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt arbeiten
Eine der wichtigsten Aufgaben als palliativer oder Hospiz-Betreuer ist es, alle Veränderungen in Verhalten, Gewicht, Temperatur, Essgewohnheiten, Mobilität und allgemeinem Wohlbefinden Ihres Hundes zu beobachten und zu melden. Wenn Sie Veränderungen bemerken, müssen Sie sofort Ihren Tierarzt kontaktieren, damit die Medikamente und Therapien entsprechend angepasst werden können.

5. Ihre hingebungsvolle Liebe und Fürsorge darf das Leiden des Tieres nicht verlängern!
Obwohl Hospiz- und palliative Pflege Bereiche der Veterinärmedizin sind, müssen wir uns davor in Acht nehmen, unseren Hund an Schmerzen oder an einer sinkenden Lebensqualität leiden zu lassen

Es ist sehr schwer und unfassbar, seinen geliebten Hund zu verlieren, aber unsere Entscheidungen dürfen nicht durch die Angst vor der Trauer getrübt werden. Darüber sprechen hilft!


Option 2:
Krankenhausversorgung

9.3.3

Palliative oder Hospiz-Behandlungen können auch im Krankenhaus durchgeführt werden, wo Ihr Hund – je nach Zustand – zur steten Überwachung bleiben muss. Ihr Hund wird vom Gesundheitsteam des Krankenhauses untersucht und beaufsichtigt, um sein Gesundheits- und Behandlungsprogramm zu beurteilen und planen. Wenn Ihr Hund im Krankenhaus behandelt werden muss, hat der Arzt den Vorteil, dass er Zugang zu der gesamten Infrastruktur eines modernen Krankenhauses hat, und so Ihrem Hund jederzeit und schnell die nötige Pflege zukommen lassen kann. Die meisten Krankenhäuser erlauben es Hundebesitzern, ihre Hunde tagsüber zu besuchen.

Quellen und weiterführende Lektüre 
→ END OF LIFE CARE
→ Hospice & Palliative Care


Option 3:
Würdevolle Euthanasie

9.3.4

Die würdevolle Euthanasie ist die absichtliche Beendigung des Lebens durch menschliche Eingriffe unter Verwendung anerkannter Methoden, die keinerlei Schmerzen, Unbehagen und Angst beim Tier verursachen, jedoch das Leiden des unheilbar kranken Tieres beendet. Leider beschränken sich unsere Betreuer-Pflichten für unseren geliebten, todkranken Hund meistens nicht darauf, seine Lebensqualität zu erhalten, einen bequemen Schlafplatz zur Verfügung zu stellen und angepasste Ernährung und Medikamente zu verabreichen. Die Pflege eines unheilbar kranken Hundes führt oft zu einer der schwierigsten Entscheidungen, die wir im Leben treffen müssen: Euthanasie oder begleitetes natürliches Sterben – Abschied nehmen. Würdevolle Euthanasie wird empfohlen, wenn palliative Therapien eine akzeptable Lebensqualität nicht mehr aufrechterhalten können. Manche Hunde scheinen zwar friedlich auf ihrer Schlafstelle zu liegen, können aber tatsächlich erhebliche Schmerzen haben. Es liegt an Ihnen, die Lebensqualität Ihres Haustieres objektiv zu überwachen und prüfen. Wenn die Lebensqualität Ihres Haustieres unter ein akzeptables Niveau sinkt, kann es Zeit sein, über würdevolle Euthanasie nachzudenken. Die folgenden Informationen im Kapitel 9.3.6. sollen Ihnen helfen, die Lebensqualität Ihres Hundes zu beurteilen.

Was ist Euthanasie? Zunächst injiziert der Tierarzt dem Hund ein Beruhigungsmittel, gefolgt von einem den Tod herbeiführenden Medikament. Das Tier ist sich des Vorgangs nicht bewusst, und der Prozess verursacht keine Angstzustände: Es ist vergleichbar mit einer Vollnarkose vor einem chirurgischen Eingriff und dauert etwa 10 bis 20 Sekunden. «Würdevoll» ist eine Euthanasie zumeist dann, wenn sie im häuslichen Rahmen und in Ihrer Gegenwart durchgeführt wird, um eine stressvolle, beängstigende und eventuell auch schmerzvolle Reise in die Tierpraxis zu vermeiden. Wenn immer möglich, sollte eine häusliche Euthanasie bevorzugt werden. Die Euthanasie ist ein zweischneidiges Schwert, auch wenn sie ein legales und weithin anerkanntes Instrument am Lebensende ist. Auf der einen Seite wird dem Leiden eines Tieres ein Ende gesetzt, wenn es medizinisch, finanziell oder physisch nicht mehr möglich ist, die Lebensqualität des Patienten aufrechtzuerhalten. Auf der anderen Seite hinterlässt es bei einer erheblichen Anzahl von Hundebesitzern ein Trauma, das die Trauer noch verlängert und oft auch zu Depressionen führen kann. Hundebesitzer kämpfen mit Reue und schweren Zweifeln an ihrer Entscheidung. 50% der Hundebesitzer, die ihren Hund euthanasieren ließen, bedauerten nachträglich ihre Entscheidung (Quelle: AAHA, siehe unten)

Da Hospiz-Pflege für Tiere an Bedeutung gewinnt und deren Verfügbarkeit zunimmt, wird auch das Bedürfnis nach einem ethisch vom Hospiz-Team unterstützten natürlichen Tod zunehmen und die Indikation einer Euthanasie wird zunehmend nuancierter werden.

Quelle und weiterführende Lektüre:
→ 2016 AAHA/IAAHPC End-of-Life Care Guidelines*

 

Aber woher wissen wir, wann es Zeit ist loszulassen?
Wie beurteilen wir möglichst objektiv die Lebensqualität des Hundes? Dazu mehr im Kapitel 9.3.6. Instrumente zur Beurteilung der Lebensqualität (QOL)


Fragen, die zum Nachdenken anregen: Haben Hunde episodisches Denken? undecided
Können Tiere sich an vergangene Ereignisse erinnern? Denken sie darüber nach? Können Tiere Reue, Trauer, ein Gefühl des Vermissens fühlen? Können Tiere über die Zukunft sinnen? Können sie ihre Zukunft planen? Haben sie Erwartungen an die Zukunft? Sind Tiere in der Lage, sich selbst zu erkennen und beurteilen? Haben sie Pläne? Treffen sie Entscheidungen zwischen Wahlmöglichkeiten, was ihr Leben anbelangt? Diese Fragen stellen sich viele Hundebesitzer, wenn sie vor der Entscheidung stehen, das Tier, das ihnen so ans Herz gewachsen ist, sterben zu lassen. Diese Fragen haben sich in den letzten Jahrzehnten auch viele Wissenschaftler gestellt. Vor ganz kurzem hat eine Studie gezeigt, dass viele Tierarten – darunter auch der Hund – durchaus ein gewisses Maß an episodischem Denken besitzen: Sie erinnern sich an mehr als wir denken!

Mehr dazu:

 Do dogs have an episodic memory?


Option 4:
Begleiteter natürlicher Tod

9.3.5

Wenn Sie die Entscheidung getroffen haben, dass Ihr Hund auf natürliche Weise sterben darf, ist es sehr wichtig, seine Lebensqualität stets genauestens zu überwachen. Es kann schwierig sein, das Schmerzniveau zu kontrollieren und seine Lebensqualität bis zuletzt zu erhalten. Lassen Sie sich von einem spezialisierten Tierarzt vorher beraten und unterrichten. Es ist für die Würde des Hundes absolut wichtig sicherzustellen, dass Schmerz, Stress und Angstzustände (z.B. wegen Atemnot) Ihres Hundes kontrolliert werden und mit adäquaten Medikamenten gelindert werden. Bestehen Sie darauf, dass Ihr Tierarzt ausreichend notwendige Medikamente für Sie zu Hause zur Verfügung stellt.


Option 5:
Faktoren zur Beurteilung der Lebensqualität Ihres Hundes

Was ist Lebensqualität?

Das umfassende Wohlbefinden eines Tieres, was sowohl die physischen, sozialen und emotionalen Aspekte seines Lebens einschließt.

Quelle und Bild
https://www.aaha.org/professional/resources/end_of_life_care_guidelines.aspx

 

Die Lebensqualität Ihres Hundes richtig zu beurteilen kann schwierig sein. Die objektive Beurteilung einer abnehmenden Lebensqualität ist jedoch ein wichtiger Bestandteil der Palliativ- und Hospiz-Pflege, die sicherstellt, dass sich Ihr geliebter Hund während seines letzten Lebensabschnitts immer wohl fühlt ohne zu leiden. Die Beurteilung der Lebensqualität ist zwar wichtig, aber nicht immer ganz einfach. Ein spezialisierter Tierarzt kann Ihnen dabei helfen. Auch die folgenden Informationen und die beigefügte Beurteilungsskala können eine Unterstützung bei der Beurteilung sein. Hier sind einige Dinge, auf die Sie achten sollten, um zu erkennen, ob die Lebensqualität Ihres Hundes noch gewährleistet ist:

1. Schmerzen können die Lebensqualität Ihres Hundes erheblich beeinträchtigen.
Der Begriff «Schmerz» bezieht sich auf unangenehme oder schmerzhafte Erfahrungen, Gefühle, Emotionen oder Empfindungen, die akut oder chronisch sein können. Der Begriff «Schmerz» ist ein Oberbegriff, der eine Bandbreite von negativen subjektiven Erfahrungen abdeckt: körperliche wie seelische Schmerzen und Leiden. Das Wichtigste, was Sie für Ihren kranken Liebling am Ende seines Lebens tun können, ist Schmerzen oder Leiden zu minimieren oder gar zu verhindern. Ein Problem bei der Beurteilung ist, dass Hunde, die unter Schmerzen leiden, dies oft nicht durch äußerlich sichtbare Zeichen wie Wimmern oder Weinen anzeigen, die wir normalerweise mit Schmerzen assoziieren. Manchmal wird ein Tier trotz Schmerzen weiter am Familienleben teilnehmen, essen oder trinken. Einige der physiologischen Symptome und Verhaltenszeichen, die anzeigen können, dass Ihr Hund Schmerzen hat, sind:

  • übermäßiges Keuchen
  • Zurückgezogenheit
  • sich an ungewohnten, oft dunklen Orten verstecken
  • Bewegungsmeidung
  • Appetitlosigkeit
  • Orientierungslosigkeit

Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie stark Ihr Hund unter Schmerzen leidet, kann es hilfreich sein, tägliche schriftliche Notizen über gute und schlechte Tage aufzuzeichnen. Achten Sie darauf, Ihren Tierarzt zu konsultieren und eventuelle Probleme (zum Beispiel Appetitlosigkeit, Schmerzen) zu besprechen und entsprechend zu behandeln. Nicht diagnostizierte Probleme können starkes Unbehagen und eine schnelle Verschlechterung verursachen. Ihr Tierarzt wird Ihnen die Maßnahmen zur Schmerzlinderung erklären. Z.B. können starke entzündungshemmende Medikamente verschrieben werden - falls Ihr Haustier keine Nieren- oder Leberprobleme hat. Wenn Ihr Haustier starke Schmerzen aufgrund einer chronischen Krankheit wie Krebs hat, kann Ihr Tierarzt Ihnen ein sehr starkes Schmerzmittel in Form einer oralen Medikation oder eines Pflasters verschreiben.

2. Ungewöhnliches Verhalten kann anzeigen, dass die Lebensqualität Ihres Hundes abnimmt.
Ungewöhnliche Verhaltensmuster sind oft das erste Anzeichen dafür, dass Ihr Hund leidet oder Schmerzen hat. Ein Hund kann die Lust auf seine normale Aktivität verlieren und apathischer werden, seinen gewohnten Appetit verlieren oder unangemessen vokalisieren und sogar Aggression zeigen. Scheint Ihr Hund ungewohnt reizbar, unruhig oder verwirrt? Vermeidet Ihr Hund seine Lieblingsbeschäftigungen, zum Beispiel mit seinem Ball zu spielen? Sucht Ihr Hund nach «Verstecken» zum Schlafen oder um sich zu isolieren, zum Beispiel unter dem Bett, einem Tisch oder Stuhl?

3. Schützen Sie Ihren todkranken Hund vor anderen Rudelmitgliedern
Als Reaktion auf Verhaltensveränderungen beim kranken Rudelmitglied, können andere gesunde Haustiere im Haushalt anfangen, ebenfalls abnormale Verhaltensweisen zu zeigen. Lassen Sie gegebenenfalls alle Ihre Haustiere vom Tierarzt auf gesundheitliche Probleme kontrollieren. Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass auch Tiere Trauer empfinden, der drohende Verlust eines Rudelmitglieds die anderen Hunde destabilisieren und sogar zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Wird Ihr kranker und geschwächter Hund von anderen Tieren im Hause geplagt? Dies kann passieren, wenn ein kranker oder älterer Hund das schwächste Mitglied des "Rudels" wird. Wenn dies der Fall ist, trennen Sie die Hunde und richten Sie Ihrem kranken Hund einen ruhigen und abgeschirmten Aufenthalts- und Schlafplatz ein.

4. Inkontinenz könnte zeigen, dass die Lebensqualität Ihres Hundes abnimmt.
Bei einigen älteren oder kranken Haustieren kann es zu Inkontinenz (Kontrollverlust über die Blase oder des Darms) kommen. Reinigen Sie daher regelmäßig den Schlafplatz Ihres kranken Hundes, um seine Würde zu wahren. Wenn Ihr Hund Hilfe beim Urinieren oder Stuhlgang benötigt, aber Schwierigkeiten hat aufzustehen, können Sie eine Schlinge kaufen oder ein großes Handtuch benutzen, um es unter den Körper zu wickeln und ihm zu helfen zum Versäuberungsplatz zu gehen. Sie können auch Hundewindeln im Tierfachgeschäft kaufen, um ihn trocken und sauber zu halten.

Quelle und weiterführende Lektüre: 
→ ENDE DES LEBENS PFLEGE


Beurteilung der Lebensqualität mit Hilfe der "Quality of Life Scale" von Dr. Alice Villalobos

9.3.6

Als Betreuer Ihres Hundes können Sie diese Lebensqualitäts-Skala verwenden, um den Zustand Ihres Hundes leichter zu beurteilen: Bewerten Sie Ihren Patienten mit einer Skala von 0 bis 10 (wobei 10 ideal ist).

Ergebnis

Kriterium

0-10

SCHMERZEN-
Adäquate Schmerzkontrolle und Kontrolle der Atemfähigkeit ist von höchster Bedeutung. Schwierigkeiten beim Atmen sind höchstes Alarmzeichen.
Sind die Schmerzen des Hundes mit den vom Tierarzt verschriebenen Medikamenten gut unter Kontrolle? Kann Ihr Hund frei und regelmäßig atmen? Ist eine Sauerstoffergänzung notwendig?

0-10

HUNGER
Isst Ihr Hund genug? Würde eventuell Handfütterung helfen? Braucht der Hund eine Ernährungssonde?

0-10

HYDRATION
Leidet Ihr Hund unter Dehydration?

Bei Patienten, die nicht genug oder kein Wasser trinken, könnten z.B. täglich oder zweimal täglich subkutan Flüssigkeiten als Infusion verabreicht werden, um die Flüssigkeitsaufnahme zu ergänzen.

0-10

HYGIENE
Sind der Aufenthalts- und Schlafplatz ihres Hundes sauber? Sind das Fell und das After Ihres Hundes sauber?

Ihr Hund sollte weiterhin gebürstet und gereinigt werden, insbesondere nach der Versäuberung. Vermeiden Sie Liege-Druckstellen mit weichen Bettunterlagen und halten Sie alle Wunden sauber.

0-10

ZUFRIEDENHEIT
Drückt Ihr Hund noch Freude und Interesse aus? Reagiert er freudig auf Familienmitglieder, Spielzeug usw.? Oder ist Ihr Hund depressiv, einsam, ängstlich, gelangweilt oder ängstlich? Könnte seine Schlafstelle in die Nähe von Familienaktivitäten verlegt werden, um Isolationsgefühle zu verhindern?

0-10

MOBILITÄT
Kann Ihr Hund noch ohne Hilfe aufstehen? Benötigt er menschliche oder mechanische Hilfe (z. B. einen Wagen)? Hat Ihr Hund noch Lust auf einen Spaziergang? Hat er Krampfanfälle beim Laufen oder neigt er zum Stolpern?

Manche Betreuer bevorzugen Euthanasie vor der Amputation, aber es ist zu bedenken, dass ein Tier mit eingeschränkter Mobilität, das dennoch aufmerksam, glücklich und reaktionsfähig ist, eine gute Lebensqualität hat, solange die Betreuer ihm im Alltag helfen können.

0-10

GUTE ZEITEN UND SCHLECHTE ZEITEN
Übertreffen schlechte Tage die guten Tage? Dann könnte die Lebensqualität zu stark beeinträchtigt sein. Wenn eine gesunde Interaktion zwischen Mensch und Tier nicht mehr möglich ist, muss vermutet werden, dass das Ende nahe ist.

Wenn der Hund übermäßig leidet, muss eine würdevolle Euthanasie oder ein begleiteter natürlicher Tod bald in Betracht gezogen werden. Ein friedlicher und schmerzloser Tod zu Hause in gewohnter Umgebung kann eine Erlösung sein.

GESAMTPUNKTE

Über 35 Punkte stellen eine akzeptable Lebensqualität dar, um mit der Hospizpflege fortzufahren.

 

Quelle und weiterführende Lektüre
→ AAHA / IAAHPC 2016 Richtlinien für die End-of-Life-Pflege *
→ pawspice.com

Lebensqualitäts-Rechner zum Downloaden von Journeys


Woran Sie noch denken sollten

9.4

Ihre familiäre Situation

  1. Wie viele Familienmitglieder sind von der Krankheit und dem möglichen Tod Ihres Hundes betroffen? Wenn es nur Sie und Ihr Haustier sind, dann sind die anfallenden Entscheidungen vielleicht einfacher zu fällen. Wenn jedoch andere Familienmitglieder am Leben des Haustiers beteiligt sind, müssen ihre Gefühle und Wünsche berücksichtigt werden. Als Haustierbesitzer werden wir manchmal Entscheidungen treffen müssen, die wir vielleicht nicht treffen wollen – zum Wohle der Gemeinschaft.

  2. Haben Sie Kinder? Dann ist es wichtig, dass Sie mit ihnen über die aktuelle Situation, den Zustand und die Aussichten Ihres Hundes sprechen. Wenn der Familienhund krank oder in der letzten Lebensphase angekommen ist, dann können Erklärungen in einer einfachen, aber direkten Sprache, dazu beitragen, die Ängste eines Kindes zu beseitigen. Dies kann eine Gelegenheit sein, zu erklären, dass das Leben nicht ewig ist. Wenn dann Ihr Hund stirbt oder gar euthanasiert werden muss, um weiteres Leiden zu verhindern, wird das Kind dies leichter verstehen. Lassen Sie z.B. ihre Kinder Abschiedsbriefe schreiben.

  3. Wenn es an der Zeit ist, sich zu verabschieden. Wenn immer dies der Zustand des Hundes dies ermöglicht, erlauben Sie allen Familienmitgliedern, sich von Ihrem Hund zu verabschieden. Sollte eine Euthanasie nötig werden, bitten Sie Ihren Tierarzt, zu Ihnen nach Hause zu kommen, um eine würdevolle Euthanasie durchzuführen. Die Entscheidung für eine Euthanasie ist eine schwierige Entscheidung und möglicherweise nicht in allen Situationen angemessen. Sprechen Sie mit Ihrem spezialisierten Tierarzt über Alternativen. Der Begriff "Euthanasie" bedeutet "sanfter Tod" und kann, wenn er von einem fürsorglichen Facharzt ausgeführt wird, nach einer schmerzhaften Krankheit für alle befreiend sein – auch und vor allem für Ihren Hund.

Ihre finanzielle Situation

Wieviel Geld sind können und wollen Sie für die letzte Lebensphase Ihres Hundes ausgeben? Dies ist eine schwierige Frage, und die meisten Menschen wollen nicht darüber nachdenken, geschweige denn sprechen. Wir alle wollen alles Menschenmögliche tun, um das Leben unseres Hundes zu retten oder zumindest zu verlängern. Aber wenn Sie keine Versicherung haben, die auch Hospiz-Pflege und -Medikamente übernimmt, können Behandlungen und Therapien sehr teuer werden. Wird Ihr Tierarzt Ihnen erlauben, in Raten zu bezahlen? Kennen Sie Menschen, die Ihnen finanziell aushelfen können? Sind Sie bereit, auf den nächsten Urlaub zu verzichten, oder auf den Kauf des erträumten riesigen Flach-Fernsehbildschirms?

Ihr Zeitplan

Falls Ihr Hund aufwendige Pflege benötigt, haben Sie auch wirklich die Zeit, diese zu gewährleisten? Oder sind Sie den ganzen Tag berufstätig und außer Haus? Natürlich möchten Sie sich die Zeit für Ihren Hund nehmen, der während vieler Jahr für Sie und Ihre Familie so wichtig war. Aber seien Sie realistisch: Alle Familienmitglieder sind den ganzen Tag bei der Arbeit oder in der Schule? Ein todkranker Hund benötigt möglicherweise zweimal täglich Medikamente, tägliche Bestrahlungssitzungen usw. Können Sie dies in Ihren Zeitplan einfügen? Können Sie jemanden um Hilfe bitten?

Ihre häusliche Situation

Todkranke Patienten benötigen angepasste Heimbedingungen, eventuell spezielle Geräte, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, ohne Hilfe zu laufen etc.. Wenn Ihr Hund gewohnt war, draußen zu schlafen, ist es jetzt wichtig, ihm im Haus einen warmen und weichen Schlafplatz zu schaffen.

Quelle  und weiterführende Lektüre
→ charlestonanimalsociety.org



In Würde von seinem geliebten Hund Abschied nehmen

9.5


Lassen Sie das Gedächtnis Ihres Hundes weiterleben!

9.5.1

Ein Ritual in Erinnerung an Ihren verstorbenen Hund kann sehr heilend sein. Wenn möglich, bestatten Sie Ihren Hund in einem ruhigen Teil Ihres Gartens – seinem Lieblingsplatz. Der Bestattungsort kann aufwendig oder einfach sein, wie Sie möchten. Ein schlichter Stein mit dem Namen des Haustiers in wetterfester Farbe geschrieben, ein Stück Holz mit seinem Namen eingeschnitzt, oder ein neu gepflanzter Baum helfen Ihnen und Ihrer Familie, sich an all die guten Zeiten zu erinnern, die Sie mit Ihrem Hund verbringen durften. Einen Brief an seinen verstorbenen Hund zu schreiben, kann auch sehr heilsam wirken, und ist ein wunderbares Andenken an die gemeinsame Zeit. Erstellen Sie ein Fotoalbum mit all den Abenteuern, gemeinsamen Ausflügen und lustigen Momenten, die Sie zusammen erleben durften. Auf diese Weise wird Ihr Freund für immer in Ihrem Herzen lebendig bleiben. Für mich persönlich war das Verfassen dieser Internetseite Trost und Trauerbewältigung zugleich. Wir haben Alice an ihrer Lieblingsstelle im Garten bestattet, und neben meinem Bett steht mein Lieblingsfoto von Alice. Jede Nacht vor dem Schlafengehen sage ich ihr „Gute Nacht“ - wie all die Jahre zuvor. Mir hat es geholfen.


Die Bestattung

9.5.2

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihren Hund zu bestatten. Jedes Land hat jedoch Bestimmungen, die es einzuhalten gilt. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Tierarzt oder beim Amt für Veterinärwesen. Die Optionen, die ich hier vorstelle, gelten für die Schweiz:

1. Verbrennung: Ihr Haustier kann in einem speziellen Krematorium in Ihrer Nähe eingeäschert. Sie können zwischen einer Gruppeneinäscherung (Ihr Haustier wird mit einer bestimmten Anzahl anderer Tiere der gleichen Art eingeäschert, und die Asche wird an einem öffentlichen, dafür bestimmten Platz zur letzten Ruhe verstreut), oder einer individuellen Einäscherung (Ihr Hund wird individuell verbrannt, und die Asche wird Ihnen in einer Urne Ihrer Wahl zurückgegeben).

2. Leichnam zurück an den Besitzer: Sie möchten vielleicht lieber den Körper Ihres Hundes für eine private Bestattung zurückerhalten. Bitte erkundigen Sie sich jedoch bei Ihrer Stadt- oder Landesregierung nach Vorschriften über die private Bestattung von Tierkadavern.

Wenn Sie sich für die Einäscherung entscheiden, können Sie einen privaten Ehrenplatz für die Urne schaffen, mit Bildern und Geschichten, die von allen Mitgliedern der Familie beigetragen werden.





Über das Haustier zu sprechen, scheint ein wichtiger Teil des unvermeidlichen Trauerprozesses zu sein. Sich an all die kleinen Dinge zu erinnern, die Ihren Hund zu einem wichtigen Teil Ihres Lebens gemacht haben, hilft, den Schmerz zu lindern. Tiere lehren uns bedingungslose Liebe, Loyalität, Freundschaft und eine Menge anderer wunderbarer Dinge – bis zuletzt. Sie machen uns zu besseren Menschen. Nach einer Zeit der Trauer und der Erinnerungen an vergangene Zeiten könnten Sie darüber nachdenken, Ihre Familie mit einem neuen Hunde-Mitglied zu bereichern. Sie werden sehen, dass das Leben auf wunderbare Weise weitergeht und dass es möglich ist, wieder zu lieben.


Wenn andere Haustiere im Haushalt trauern

9.5.3

Nach dem Tod eines Hundes beobachten viele Menschen eine Veränderung des Verhaltens der anderen Tiere der Familie. Manchmal wirkt das zweite Tier depressiv und zeigt ein vermindertes Interesse am Spielen oder Essen. Oft hilft es, einfach dem anderen Hund zusätzliche Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken. Wenn Ihr zurückgebliebener Hund große Verhaltensveränderungen zeigt, erkundigen Sie sich beim Tierarzt, und lassen Sie ihn untersuchen, um sicherzustellen, dass kein medizinisches Problem vorliegt, das zu diesem veränderten Verhalten führt. Unser Zweithund hing sehr an Alice und betrachtete sie quasi als Mutterersatz oder Rudelführerin. Sie zeigte sich nach Alice Tod depressiv und verlor plötzlich sehr viele Haare. Ich ließ sie sicherheitshalber untersuchen: Ein Bluttest und eine Ultraschall-Untersuchung konnten mich jedoch beruhigen, dass sie «nur» an der Trauer ob ihrer Gefährtin litt. Sie hatte die Geborgenheit und Struktur der Rudel-Hierarchie verloren und musste sich neu orientieren. Es ist auch gut dokumentiert, dass Haustiere den Tod eines Begleittieres betrauern können. Einige Studien haben gezeigt, dass Katzen, Hunde und Pferde, die den verstorbenen Körper eines bekannten Tieres sehen dürfen, sich besser an die neue Situation anpassen können und weniger Zeit mit Suchen des fehlenden Haustieres verbringen. Es kann für einen anderen Hund jedoch durchaus auch ein traumatischer Moment sein, den verstorbenen Körper des Rudelmitglieds zu sehen. Es liegt also an Ihnen, zu beurteilen, was für andere Haustiere im Haushalt am besten ist.

Quelle und weiterführende Lektüre
→ www.charlestonanimalsociety.org